Heldur Alver und Elmar Ojaste

DIE FÄLSCHER UND DIE FÄLSCHUNGEN DER ESTNISCHEN BRIEFMARKEN

Eesti Filatelist #22-23 1978

Erste Fortsetzung

Der vorige Artikel behandelte Fälschungen von der Vorkriegszeit mit besonderem Hinweis auf Jaan Lubi, Diesmal wird über die Tätigkeit des Briefmarkenfälschers Ralf LINNO geb. 1925 berichtet. Er debutierte als Fälscher während des 2. Weltkrieges und hat seine Tätigkeit mit Ausnahme kürzeren Unterbrechungen bis zum Anfang der siebziger Jahren in Tartu (Dorpat), Estland ausgeübt. Seine Gesundheit hat sich später verschlechtert und die Fälschungsarbeit hat jetzt aufgehört.

Die Abbildungen haben zum Ziel, den Philatelisten die Unterscheidung der Fälschungen von Originalen zu erleichtern. Folgende Fälschungen sind bis jetzt ermittelt worden:

1. "Eesti Post" Aufdruck 1919 Tallinn
Mit verfälschtem Gummistempel wurden verschiedene Werte dieser Ausgabe hergestellt. Der Falschstempelaufdruck ist ziemlich primitiv und unterscheidet sich beträchtlich vorn Originalstempel. Auffallend ist die Länge des Aufdruckes (0, 5 mm länger) und der Unterschied des Buchstabes "i" (siehe Abbildung).

 Falsch Echt

2. Entwertungsstempel "TALLINN-ASUTAV KOGU" 1919
Diesen falschen Entwertungsstempel hat Linno zur Abstempelung von obengenannten verfälschten Briefmarken benutzt. Die Unterscheidung ist ziemlich leicht, weil der Abstand zwischen (Asuta)v und K(ogu) bei der Fälschung 1 mm länger ist.

3. "Aita hädalist" Aufdruck 1923
Es ist bekannt, dass wenigstens ein Bogen von beiden Werten (gez. und ungez.) verfälscht wurde. Nähere Einzelheiten konnten bis jetzt nicht ermittelt werden.

4. "Eesti Post" Aufdruck 1941 Elva
Der Schwerpunkt der Fälschertätigkeit lag in der Fälschung dieses Aufdruckes. Die einzelnen Buchstaben des Aufdruckes wurden aus Linoleum herausgeschnitten und dann zum Stempel zusammengestellt. Dadurch entstanden viele Varietäten und mindestens 6 verschiedene Falschaufdrucke können unterschieden werden. Laut Angabe sind zwei Falschstempel an andere Personen überlassen worden.
Die Unterscheidung ist vielmals schwierig und eine Prüfung ist immer angebracht. Nachstehend folgt eine Auswahl von Fälschungen, die nummeriert sind um eine bessere Übersicht zu gewährleisten. Die Nummerierung bezeichnet wahrscheinlich die zeitgemäß folgerichtige Herstellung. Verschiedene Werte dieser Ausgabe wurden verfälscht, die genaue Anzahl ist unmöglich zu ermitteln.

5. Entwertungsstempel "ELVA A" und "ELVA B" 1941
Die Fälschung wurde mit Buchstabe "A" in einer und mit "B" in zwei Ausführungen angefertigt.

6. "Vaba Eesti" Aufdruck 1941 Mõisaküla
Bisher sind zwei verschiedene Aufdruckfälschungen bekannt, die auf allen drei Werten vorkommen. Der Aufdruck a ist 16, 5 mm lang und die Buchstaben sind größer als beim Originalaufdruck. Der Aufdruck b ist ein wenig kürzer und die Buchstaben sind kleiner. Beide Fälschungen sind verhältnismäßig gut gelungen, können jedoch bei genauer Untersuchung erkannt werden.

7. "Vaba Eesti 1.20" Aufdruck 1941 Mõisaküla
Auch hier sind zwei verschiedene Aufdruckfälschungen bekannt (siehe Abbildungen). Bei genauer Untersuchung ist besonders die abweichende Stellung der einzelnen Buchstaben erkennbar. Bei Zweifel ist eine Prüfung ratsam.

8. "Vaba Eesti 2.40" Aufdruck 1941 Mõisaküla
Bisher liegen Berichte über eine Briefmarke vor, die mit falschem Aufdruckstempel versehen ist.

9. Entwertungsstempel "MõISAKÜLA B" 1941
Zur Entwertung der obengenannten drei M6isaküla-Aufdrucke hat Linno einen falschen Stempel "MÖISAKÜLA B" hergestellt. Der Falschstempel (mit Datum 10 VIII 41 bekannt) ist nicht schwer zu erkennen, weil einige Details schlecht gelungen sind, z. B. der Buchstabe (EES)T(I) ist schief und der Buchstabe "B" ist nicht zentriert.

10. Entwertungsstempel von TALLINN, TARTU und NARVA
Es ist bekannt, dass einige falsche Entwertungsstempel existieren. Nähere Einzelheiten konnten nicht ermittelt werden.


Authentische Probezeichnungen von Ralf Linno

Zum Schluss sei noch erwähnt, dass Ralf Linno auch andere Briefmarken der deut sehen Besetzungsausgaben, wie PLESKAU, ALEXANDERSTADT und LJADY verfälscht hat. Besonderen Dank sind wir einem Sammler in Estland schuldig, der uns viele Angaben vermittelt und wertvolles Material zur Verfügung gestellt hat.

In der Einleitung der Artikelserie "Die Fälscher und die Fälschungen der estnischen Briefmarken" (Der Estnische Philatelist Nr. 18/19-1976) wurden drei Berichte aus dem Jahr 1932 (der eine in estnischer und zwei in deutscher Sprache) aus der in Estland erschienenen Zeitschrift ESTONIA im Abdruck veröffentlicht. Die Verfasser sind jetzt darauf aufmerksam gemacht worden, dass nicht alle in den Berichten aufgerechneten Personen unbedingt Fälscher waren, obwohl sie in den genannten Artikeln dazu verdächtigt wurden. Wir wollen dem gerne Glauben schenken!

Die Veröffentlichung der Abdrucke hatte zum Ziel die Probleme der Fälschungen, die den guten Ruf der estnischen Philatelie geschadet haben zu beleuchten und keineswegs bestimmte Personen zu verdächtigen. Es ist heute nicht mehr möglich damalige Behauptungen zu kontrollieren und deswegen werden vielleicht auch ehrenhafte Sammler in Verdacht gebracht.