5.5. Die Gemeinde Emmaste

Das Post-, Telegrafen- und Telefonamt von Emmaste

Das Post-, Telegrafen- und Telefonamt der Klasse V wurde am 23. Oktober 1919 im selben Haus eröffnet, wo schon zur Zarenzeit die Postabteilung untergebracht war.

Entsprechend dem am 3. Juni 1937 vom Staats ältesten als Dekret erlassenen Gesetz über die Änderung und Ergänzung der Zusammensetzung der Beamten bei den Staatsbehörden (RT 47-1937 Art.430) auf dem Gebiet der Post, des Telegrafen und des Telefons, und der Verfügung Nr. 3515 13. 12. 1934 (RT 107-1934) des Verkehrsministers wird das PTT-Amt von Emmaste vom Amt V. Klasse in ein solches der IV. Klasse geändert ("Postisarv" 7/8, 1937, S.151). Der Postaustausch des Amtes von Emmaste fand mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu statt. Aus Emmaste wurde die Post über Postagentur von Sõru und die Posthöfe von Kabuna, Külamaa und Sinimaa an die Postagenturen in Nurste und Mänspää weitergeleitet. Die Teilnehmer der Telefonzentrale von Emmaste waren "in Jahre 1934 in den Postagenturen von Mänspää, Nurste, Soru und Ulja sowie im Posthof von Külamaa.

Amtsleiter:
23. 10. 1919 - 1. 6. 1921   Boris Tatter
1. 6. 1921 - 11. 6. 1921   Madis Muul (früher Schmuul)
11. 6. 1921 - 19. 7. 1923   Aleksander Kurs
1. 9. 1923 - 1 .8. 1927   Tiit Toomväli
10. 12. 1927 - 1. 5. 1929   Vladimir Vahter
1. 5. 1929 - 16. 8. 1930   Karl Murakas
16. 8. 1930 - 29. 8. 1935   Arnold Raud
29. 8. 1935 - 1. 10. 1941   Arvo Äär (früher Alfred Err)

Poststempel: Bekannt ist ein Ortstempel von 1919 und handschriftlicher Vermerk vom 3. März 1921.
Benutzt wurden zwei verschiedene Tagesstempel.


Die Postagentur von Tatermaa

Nach amtlichen Unterlagen wurde die Postagentur von Tatermaa am 4.Februar 192 1 eröffnet; nach Angaben des Agenturleiters war die eigentliche Eröffnung am 7.Februar. Am Anfang befand sich die Agentur in der Wohnung des Priesters Johann Prooses in einem Haus neben der apostolisch-orthodoxen Kirche. Später war sie im Laden von J. Kimberg untergebracht. Abzüglich einer kurzen Unterbringung in der Wohnung des Priesters J. Padu um 1930/3 1, befand sich die Agentur bis zum Schluß ihrer Tätigkeit im Jahre 1941 im Hause des Kaufmanns.

Der Postaustausch fand mit dem Amt von Käina statt. Die Postagentur von Tatermaa belieferte den Posthof von Leluselja. Bezüglich der Dienste für Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen ist die Lage etwas unklar. Nach der Liste von 1927 wurden diese Dienste bis 10 000 Mark getätigt, nach der Liste von 1929 wurden nur einfache und eingeschriebene Sendungen bearbeitet; in den Listen von 1930 und 1931 ist die Obergrenze bei 100 Kronen.
Die Zeitung "Vaba Maa" berichtete am 1.Dezember 1933: "Die Postverwaltung wandte sich an die Gemeindeverwaltung von Emmaste, diese möge 50 Prozent des Riskos im Zahlungsverkehr der Agentur von Tatermaa übernehmen. Die Gemeindeversammlung beriet sich darüber und entschied ablehnend. Also müssen die Agenturkunden ihren Zahlungsverkehr bei dem Amt in Emmaste erledigen."

"Päevaleht" vom 3.März und "Kaja" vom 6.März 1934 berichten: "Der Höchstbetrag der einzelnen Sendung im Zahlungsverkehr wurde von 100 auf 250 Kronen erhöht". Vom Beginn des Telegrammaustausches berichtet "Kaja" am 29.November 1928.

Leiter:
Priester Johann Prooses   seit 4. 2. 1921
Kaufmann Johannes Kimberg   seit 1. 4. 1923
Frau Marie Kimberg   seit 19. 7. 1923
Priester Joosep Padu   13. 8. - 9. 12. 1930
Frau Elisabeth Padu   seit 9. 12. 1930
Frau Juuli Kraavik   1. 6. 1931 - 1. 11. 1940

Poststempel: Aus dem Jahre 1921 sind zwei Varianten eines provisorischen
Stempels und handschriftlicher Vermerk vom 10. Februar 1921 bekannt.
An Tagesstempeln gab es zwei verschiedene.

Die Postagentur von Nurste

Bei dem Verbraucherverein von Nurste wurde am 7.Jull 1924 eine Postagentur eröffnet. Der Verbraucherverein hatte auch früher schon beim Einrichten von Postverbindungen mitgewirkt. So entschied sich also die Vereinsleitung, in eigenen Räumen eine Postagentur und eine Fernsprechstelle zu eröffnen. Ebenfalls wurde die Verantwortung für evtl. auftretenden Schaden auf sich genommen, der durch den Verkauf und das Aufbewahren von Gebührenmitteln entstehen könnte. Den Verkauf übernahm die Geschäftsführerin Liisu Mets, ab 1930 Richard Aunapuu. Der Verein übernahm auch die Betriebskosten der Postagentur. 1938 kam noch eine kleine Fernsprechvermittlung hinzu.

Der Postaustausch geschah mit dem Amt in Emmaste. Zur Beförderung der Post von Emmaste nach Mänspää mittels Pferdegespann wurde für 1300 Mark Monatslohn Peeter Lund eingestellt. Die Obergrenze für Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen lag im Jahre 1927 bei 1.0 000 Mark und ab 1929 bei 250 Kronen. Mit dem Telegrammaustausch wurde im November 1928 begonnen.

Leiter:
Geschäftsführerin Liisu Mets   seit 7 .8. 1924
Geschäftsführer Richard Aunapuu (früher Aunbu)   seit 1. 2. 1931
Einer Eistrat   bis 1. 9. 1941

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Sõru

Im Dorf Sõru wurde die Postagentur am 6.November 1926 im Laden des Verbrauchervereins eröffnet. Der Postaustausch fand mit dem Amt von Emmaste statt. Wenn anfangs auch nur einfache und eingeschriebene Sendungen abgefertigt wurden, so ist aus den Listen der Postanstalten von 1930 und 1931 ersichtlich, daß zu der Zeit in Sõru auch Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis zu einem Wert von 100 Kronen bearbeitet worden sind. Wegen der geringen Inanspruchnahme wurde die Postagentur am 30.April 1932 zu einem Posthof mit Fernsprechstelle und Briefmarkenverkauf umgewandelt ("Päevaleht" Nr. 150, 5. 6. 1932, und "Maaleht" Nr. 67, 14. 6. 1932).

Leiter:
Geschäftsführer Mihkel (Kiibus) Kibus   seit 6. 11. 1926
Geschäftsführer Markus Lippu   seit 1. 1. 1928
Geschäftsführer Richard Rand   1. 4. 1931 - 30. 4. 1932

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Mänspää

Am 6.Februar 1927 wurde im Schulhaus von Mänspää die Postagentur eröffnet. Die Postdienste verrichtete der Schulleiter Mihkel Jõe. Noch vor der Veröffentlichung der Liste der Postanstalten von 1930 waren zu den einfachen und eingeschriebenen Sendungen Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 500 Kronen hinzugekommen. Der Postaustausch fand mit dem Amt von Emmaste statt. Die Agentur bediente den Posthof von Õngu. Von der Eröffnung der an die Vermittlungsstelle in Emmaste angeschlossenen Fernsprechstelle berichtet "Rahva Sõna" am 21. Juli 1929. Als Zeitpunkt der Schließung dieser Agentur geben verschiedene Quellen den 18. Dezember 1934 sowie den 1. und 15. Januar 1935 an.

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt. NB! Der Tagesstempel von Mänspää ist vielfach zu Nachstempelungen mißbraucht worden!

Die Postagentur von Valgu (Ulja)

Die Postagentur Valgu-Hiiumaal wurde am 1. Mai 1927 in der Wohnung des Färbereibesitzers Jaan Vilimaa (früher Vinkelberg) eröffnet, der auch die Postagentur leitete. Der Postaustausch fand mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu statt. Anfangs wurden nur einfache und eingeschriebene Sendungen ausgetauscht. Beginnend mit der Liste der Postanstalten für das Jahr 1930 ist ein Wert von 100 Kronen als Höchstgrenze für Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen vermerkt.

In der Zeitung "Maaleht" vom 26.September 1933 steht: "Die Postverwaltung beschloß, ab 1.Oktober die auf Hiiumaa befindliche Postagentur von Valgu in die Agentur von Ulja umzubenennen. Die Umbenennung wurde zur Vermeidung von Mißverständnissen vorgenommen, die durch namensähnliche Postanstalten entstehen könnten. Bisher entstanden nämlich Fehlleitungen der nach Valgu adressierten Briefe entweder nach Valga oder nach Valgu in der Gemeinde Velise." Außer des Namens "Ulja" soll auch der Name "Harju" in Erwägung gezogen worden sein.

Poststempel: Bekannt sind ein Tagesstempel "VALGU-HIIUMAAL" und einer "ULJA".

5.6. Die Gemeinde Kõrgessaare

Die Postagentur von Kõrgessaare

Die Agentur wurde am 8.Jull 1919 bei der Gemeindeverwaltung eröffnet und mit ihrer Leitung der Gemeindesekretär beauftragen. Am 1 1.September 1923 wurden bei Agentur Geld- und Paketdienst eingeführt. Der Wert einer Sendung war auf 5000 Mark begrenzt ("Päevaleht" 257, 27.9.1923). In der Liste der Postanstalten von 1927 sind es 25 000 Mark und ab 1929 ist der Betrag 500 Kronen. Anfangs fand der Postaustausch der Agentur von Kõrgessaare zusammen mit den zwischen Kärdla und Kõrgessaare liegenden Posthöfen von Kanapeeksi, Kidaste und Reigi mit dem Postamt von Haapsalu statt, später mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu. Die Post auf der Strecke Kärdla-Kõrgessaare wurde bis etwa 1927 mit Pferdegespannen befördert, von da an transportierte im Sommer ein Autobus sowohl Post als auch Reisende.

Aus Kõrgessaare gelangte die Post zum Posthof von Pihla und über die Agentur von Malvaste und die Posthöfe von Jõeranna, Paopa und Luidja zur Postagentur in Puski. In den zwanziger Jahren ging die Post aus Kõrgessaare über Lauka direkt zum Posthof von Isabella. Vermutlich gleichzeitig mit der Eröffnung der Postagentur von Isabella wurde diese Linie stillgelegt. Die Post wurde von der Postagentur in Puski über die Posthöfe von Kiivera, Hüti und Heiste zur Agentur von Isabella weitergeleitet und von dort zum Posthof von Lauka. Da die Postsendungen dank einer solchen Rundreise erst am Abend des nächsten Tages in Lauka ankamen, wurde die Post für Lauka meist schon am Abend des Ankunftstages oder am nächsten Morgen von zufällig vorbeikommenden Leuten in Kõrgessaare abgeholt, die Entfernung nach Kõrgessaare betrug 2 bis 3 km. Aus Kõrgessaare wurde die Post noch zur Agentur von Tornimäe und zu den Posthöfen von Pärnaku, Suureranna und Märjakaasiku gebracht.

Leiter:
Gemeindesekretär W. Quamström   seit 8. 7. 1919
Gemeindesekretär Oskar Tikerpuu   seit 3. 5. 1920
Gemeindesekretär Aksel Roonum (früher Fromann)   seit 2. 9. 1928
Sekretär des Exekutivkomitees Robert Kolt   bis 20. 9. 1941

Poststempel: Aus dem Jahre 1919 sind drei verschiedene, aus Einzelbuchstaben zusammengesetzte Stempel bekannt. Zwei davon weisen nur den Ortsnamen auf, der dritte auch Zusatz "postiagentuur" und das Datum.
Es wurden zwei verschiedene Tagesstempel "KÕRGESSAAR" benutzt.


Die Postagentur von Tornimäe

Am 16. August 1923 wurde im Leuchtturm von Kõpu die Postagentur von Tornimäe eröffnet. Der Postaustausch fand Dienstag, donnerstags und samstags mit der Agentur von Kõrgessaare statt ("Postimees" 220, 21. 8. 1923). Begonnen wurde mit einfachen und eingeschriebenen Sendungen ("Päevaleht" 226, 27. 8. 1923). Die Liste der Postanstalten von 1930 berichtet auch über die Bearbeitung von Postanweisungen, Paketen und Nachnahmesendungen bis zu einem Wert von 500 Kronen. Leiter der Agentur war der Leuchtturmwärter Apollinari Trofimov und vom 1. September 1923 an seine Frau Rosalie Trofimov.

Von der Postagentur Tornimäe wurde Post zum Gut Kõpu und zu den Posthöfen von Kaleste und Ristna gebracht.
Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Puski

Im Schulhaus von Puski wurde unter der Leitung des Schulleiters Kosma Laredei die Postagentur am 12. April 1927 eröffnet. Begonnen wurde mit einfachen und eingeschriebenen Sendungen, denen sich noch vor Aufstellung der Postanstaltenliste von 1930 die Dienste Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 500 Kronen angeschlossen hatten. Von der Eröffnung einer mit der Vermittlung in Kõrgessaare verbundenen Fernsprechstelle berichtet "Rahva Sõna" 163 am 21. Juli 1929.

Leiter:
Kosma Laredei   seit 12. 4. 1927
Landwirt Jakob Laur   9. 9. 1940 - 20. 9. 1941

Poststempel: es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Malvaste

Im Schulhaus von Malvaste wurde unter der Leitung des Schulleiters Johannes Laid am 23. Juli 1928 die Postagentur eröffnet. Wie bei den Postagenturen von Tornimäe und Puski kamen in der Agentur von Malvaste irgendwann um das Jahr 1930 zu den einfachen und eingeschriebenen Sendungen noch Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis zu einem Wert von 500 Kronen hinzu. Der Postaustausch fand mit der Agentur von Kõrgessaare statt. Aus Malvaste wiederum bekam der Posthof von Kauste seine Post.

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Isabella

Die Postagentur von Isabella wurde am 10. Januar 1929 in der zur Gemeinde Kõrgessaare gehörenden Siedlung Isabella im Büro des Försters eröffnet ("Kaja" 19, 23. 1. 1929). Der Leiter der Agentur war der Hilfsförster von Putkaste, Arnold Pääsuke. Der Postaustausch fand mit der Agentur von Kõrgessaare statt. In der Postagentur wurden nur einfache und eingeschriebene Sendungen abgefertigt. Offensichtlich blieb die Inanspruchnahme gering, und schon am 22. Januar 1931 wurde die Postagentur geschlossen.

Poststempel: es wurde ein Tagesstempel benutzt, dessen Abdrücke wegen der kurzen
Betriebsdauer und des geringen Benutzerkreises heute recht selten geworden sind.

5.7. Der Postaustausch mit dem Festland

Der Postaustausch mit dem Festland unterschied sich in den Jahren des estnischen Freistaates kaum von dem früherer Jahre. Es zeichneten sich weiterhin drei Zeitspannen ab:

1. der Postaustausch vom Frühling bis zum Herbst unter Bedingungen eines regelmäßigen Schiffsverkehrs;
2. der Postaustausch im Winter mit einer die Überquerung der Meerenge ermöglichenden Eisdecke,
3. der Postaustausch zu Zeiten der Eisbildung und der Eisschmelze.

Die beiden ersten sind durch Regelmäßigkeit gekennzeichnet. Bedingt durch vorhandene Möglichkeiten (beispielsweise die Fahrpläne der Schiffe) konnte die Häufigkeit der Verbindungen unterschiedlich sein. Da die Post aber planmäßige Verbindungswege benutzte, war dies geregelt. Zu diesen Perioden schwankte die wöchentliche Postbeförderung in den einzelnen Jahren zwischen drei und sechs mal. Vollkommen anders war die Lage mit der Postbeförderung zu Zeiten der Eisbildung und der Eisschmelze. Nicht nur, daß es keine Regelmäßigkeit gab, auch die Verbindungswege und Transportmittel mußten den gegebenen Umständen angepaßt werden.

Nachfolgend einige Zeitungsmeldungen, die das bestens charakterisieren.

"Päevaleht" 22 vom 24. 1. 1923:
Vor den Weihnachten machte das Schiff noch zwei Reisen in der Woche. Die letzte Post nach Hiiumaa kam am 3.Januar und die nächste erst am 15.Januar.

"Kaja" 123 vom 12. 5. 1923:
Der inzwischen unregelmäßige Postverkehr wird regelmäßig, denn der Dampfer "Hiiumaa"', der auch früher die Post beförderte, beginnt vom 4.Mai an dreimal wöchentlich zwischen Heltermaa und Haapsalu zu fahren.

"Päevaleht" 84 vom 28. 3. 1925:
Die vorletzte Post kam am 10.März auf die Insel, die letzte am 20.März, die nächste?

"Postimees" 116 vom 1. 5. 1925:
Im Winter dreimal wöchentlich Postaustausch. Während der fünf bis sechs Wochen dauernden Eisschmelze erst nach ein bis zwei Wochen. Jetzt mit Beginn der Schiff-Fahrt fünfmal in der Woche.


Dampfschiff "Woldemar" verkehrte zwischen Tallinn-Kärdla-Heltermaa und Tuuliku-Triigi-Sõru (etwa 1928).

"Kaja" 94 vom 24. 4. 1929:
Die Verbindung mit dem Festland über das Eis ist zu Ende.

"Kaja" 97 vom 27.4.1929: Die ganze Woche hatte niemand den Mut, Post über die Meerenge zu bringen. Am Donnerstag, dem 25.April, brachten fünf Vormser die inzwischen angesammelten 350 kg Post über das schwache Eis nach Vormsi und übergaben sie einem von Hiiumaa gekommenen Segelboot. Dieses brachte auch die dortige Post mit, die von denselben Männern nach Haapsalu gebracht wurde.

"Vaba Maa" 75 vom 28. 3. 1935:
Meldung aus Haapsalu 28. März: Auch die Post nach Hiiumaa wird Jetzt über Tallinn geleitet.

In Zeiten schwieriger Verbindungsmöglichkeiten zu den Inseln ist von Zeitungen wiederholt die Frage einer Postbeförderung mittels Flugzeugen erörtert worden. Meist blieb es bei der Absicht und die Post wurde bald mit dem Schiff oder durch mutige Männer auf Schlitten über die Meerenge gebracht, und das Problem hatte sich für dieses Mal wieder gelöst. Wie aus den folgenden Zeitungsberichten ersichtlich, ist aber in mindestens zwei Fällen die Post durch Flugzeuge nach Hiiumaa gebracht worden. Da sich solche Sendungen aber in keiner Weise von normalen Sendungen unterscheiden, sind sie nur durch das Ankunftsdatum erkennbar.

"Päevaleht" 109 vom 24. 4. 1926:
Die Verbindung mit den Inseln seit dem 19.April unterbrochen. AS "Aeronaut" beabsichtigt von Sonntag an zwischen Tallinn und Kärdla eine regelmäßige Verbindung einzurichten. Jetzt finden mit der Hauptpostverwaltung Gespräche bezüglich des Posttransportes statt. Die Luftpost, freigemacht mit Luftpostmarken nach Inlandsgebühren, nehmen die Flugzeuge jeden Tag mit. Eine Flugkarte von Tallinn nach Kärdla kostet 3000 Mark. Abflug täglich 9 Uhr morgens vom Flugplatz am Hafen von Tallinn.

"Postimees" 111 vom 25. 4. 1926:
Wegen der Eislage am Hafen konnte das Flugzeug mit Post am Sonntag nicht abfliegen. Vermutlich am Mittwoch fährt der Rettungsgesellschafts-Dampfer "Eestimaa" mit Post nach Hiiumaa.

"Päevaleht" 118, Montag, den 3. 5. 1926:
In der vergangenen Woche wurden in 17 Paketen 300 kg Post mit dem Flugzeug nach Kärdla gebracht. So ist der seit mehreren Jahren erhobene Wunsch erfüllt worden. Bei Bedarf werden Flüge auch weiterhin durchgeführt.

"Päevaleht" 37, Sonntag, den 7. 2. 1932:
Am Freitag um 11 Uhr startete vom Flugplatz Lasnamäe unter Führung von Lt. Oldi ein Flugzeug der Streitkräfte, um nach Saare- Hiiu- und Muhumaa zu fliegen. Zweck des Fluges war die Erkundung von Landemöglichkeiten, und es wurde auch Post mitgenommen. Das Flugzeug landete auf Hiiumaa in Keina, wo 26 kg Post abgegeben wurden, in Orissaare auf Saaremaa und in Virtsu. Am selben Tag um 4 Uhr nachmittags war das Flugzeug in Tallinn zurück. es zeigte sich, daß die Landemöglichkeiten nur in Virtsu einigermaßen günstig, dagegen anderswo mit erheblichen Risiken verbunden waren.

6. HIIUMAA IN DEN JAHREN DES ZWEITEN WELTKRIEGES

6. 1. Militärische Stützpunkte der Sowjetunion

Am 23. August 1939 schlossen V. M. Molotov als Vertreter der UdSSR und J. v. Ribbentrop als Vertreter des Deutschen Reiches in Moskau einen Nichtangriffspakt ab, verbunden mit einem geheimen Zusatzprotokoll über die Aufteilung der Interessensphären in Osteuropa. Neben anderen Gebieten erhielt die Sowjetunion danach auch Handlungsfreiheit in Estland. Diese Möglichkeit sollte schnell umgesetzt werden. Unter starkem Druck aus Moskau wurde am 28. September 1939 ein gegenseitiger Beistandspakt zwischen Estland und der Sowjetunion abgeschlossen. Der dritte Artikel dieses Vertrages beginnt: "Der Estnische Freistaat sichert der Sowjetunion das Recht Zu, auf den estnischen Inseln Saaremaa und Hiiumaa und in der Stadt Paldiski Stützpunkte für die Marine und einige Flugplätze für die Luftwaffe gemäß Pachtvertrag zu einem angemessenen Preis zu besitzen."

Zwecks Vertragsdurchführung begannen schon am 2. Oktober in Tallinn die Gespräche. Über die Truppenstationierung wurden die Delegationen am 10. Oktober einig; danach wurde ein Schützenbataillon und eine Artilleriedivision auf Hiiumaa stationiert. Das Protokoll der am 1 1.Oktober geschlossenen Übereinkunft über die Stationierung von sowjetischen Flotteneinheiten auf Saaremaa und Hiiumaa sah für letztgenanntes vor:

"1. Die Regierung des Estnischen Freistaates ermöglicht der Marine der UdSSR folgende Reeden und Häfen
Kärdla auf Hiiumaa,
...in ihnen hydrotechnische Hafenbauten, Molen, Brücken, Wohn-, Lager- und Dienstgebäude, Werkstätten, Radiostationen, Eisenbahnen und Landstraßen zu bauen, Ausbaggerungen vorzunehmen und andere Bauvorhaben durchzuführen, die der Sicherheit der stationierten Flotte dienen. Die Versorgung und Bewachung der genannten Objekte geschieht mit entsprechenden Kräften.
3. Außer der von der Führung der Landstreitkräfte (Garnisonen und Luftstreitkräfte) geschaffenen Maßnahmen zur Abwehr von Angriffen von der See und aus der Luft hat die Marineführung der UdSSR das Recht, Küstenschutzbatterien aller Kaliber, Flugabwehrbatterien aller Kaliber, Scheinwerfer, Beobachtungs- und Nachrichtenstellungen sowohl in der Umgebung der in Pkt. 1 genannten Häfen und Reeden als auch in folgenden Gebieten auf Hiiumaa zu errichten:
... auf der Halbinsel Säru, auf der Halbinsel Kõpu, auf der Halbinsel Tahkuna, auf der Halbinsel Sääre, und diese Batterien und Stellungen durch entsprechende Personalstärke zu unterhalten."

Die genaue Größe der den sowjetischen Truppen überlassenen Flächen wurde am 15. Mai 1940 im Vertrag zwischen dem Estnischen Freistaat und der UdSSR festgelegt. Auf Hiiumaa wurden 7700 ha übergeben.
Die sowjetischen Truppen rückten am 18. und 19. Oktober 1939 in Estland ein. Die ersten Schiffe mit Besatzungen für die Stützpunkte legten am 23. Oktober aus Rohuküla kommend in Heltermaa an.
Unmittelbar vor Ankunft der sowjetischen Truppen, am 17. Oktober, setzte der estnische Oberbefehlshaber telegrafisch etliche Einschränkungen für die Nachrichtenverbreitung in Kraft, darunter auch eine Kontrolle des Post- und Telegrafenverkehrs. Diese Anordnung wurde schon am 3. November erneuert ("Riigi Teataja" 99/1939). Die Post von Hiiumaa wurde in Haapsalu zensiert, von den dort benutzten Stempeln sind bekannt:
- Rahmenstempel "Kontroll" (48 x 39 mm)
- Rahmenstempel "Avatud tsensuuri poolt" (von der Zensur geöffnet) (56 x 12 mm)
- ovalförmiger Rahmenstempel "Kinnipeetud" (festgehalten) (57 x 37 mm)
- Stempel einzelner Zensoren "Tsensor 53" ... "Tsensor 57" (15 x 13 mm).

Alle genannten Stempel waren in Haapsalu in roter Farbe.
Über das Postwesen der Stützpunktbesatzungen gibt es kaum Kenntnisse. es ist anzunehmen, daß dieser Postverkehr seine eigenen Verbindungswege benutzte.

6.2. Die erste Bekanntschaft mit der Sowjetmacht

Auf Hiiumaa befanden sich genügend Sowjettruppen, um ab dem 17. Juni 1940 die Sowjetisierung durchzuführen. Die Ereignisse der nächsten Monate liefen schon mit aktiver und passiver Teilnahme der Besatzungstruppen ab. Es wurden zusätzlich Truppen auf der Insel stationiert und der Anlagenbau forciert. Neben Bautruppen waren daran auch einheimische Arbeiter beteiligt, die natürlich von irgendwie bedeutenden Bauabschnitten ferngehalten wurden.

Es begann eine brutale Neuregelung der Lebensbedingungen nach dem Verständnis der neuen Machthaber. Widerspenstigen drohten Vergeltungsmaßnahmen. Bis dahin vereinzelten Verhaftungen folgte am 14.Juni 1941 schon eine Umfassendere Aktion Tausende Esten vom Säugling bis zum Greis wurden aus ihren Heimen gerissen und in Viehwagen nach Rußland verschleppt. Unter diesen Verschleppten aus Hiiumaa war auch der Schulleiter und Agenturhalter von Tornimäe, Johannes Lahe. Abweichend von anderen estnischen Gebieten fand auf Hiiumaa noch am 3.Juli eine zweite Verschleppungswelle statt, die nochmals 60 Menschen traf Unter ihnen befand sich die Leiterin der Postagentur von Tatermaa, Juuli Kraavik, und nach der Verschleppung von Johannes Lahe dessen Nachfolgerin gewordene Lydia Kark.

Nach der Annexion Estlands unterstand auch die Post den neuen Machthabern. Das bisherige Netz der Postanstalten arbeitete weiter. Die bisherigen Poststempel wurden weiterbenutzt und anfangs sogar die Briefmarken. Der Arbeitsumfang der Postanstalten nahm erheblich zu, denn auch die Korrespondenz der Militärangehörigen lief jetzt über das einheimische Postnetz. Die Rotannisten genossen bei einfachen Briefen Portofreiheit, die durch entsprechenden Dreieckstempel gekennzeichnet wurde. Die Truppenteile hatten eigene Postfächer. Anhand einer Sendung (s. 111. ...) ist bekannt, daß sich das Postfach 289 im Juni 1941 auf Hiiumaa befand.

6.3. Von der russischen unter die deutsche Besetzung

Am 22. Juni 1941 begann der Krieg zwischen der Sowjetunion und Deutschland. Durch seine Lage geriet Hiiumaa sofort in den Frontbereich. Am 31. August besetzten die Deutschen Haapsalu und am 10. September die Insel Vormsi. Am 14. und 15. September fällt die Insel Muhu in deutsche Hände, und als am 3. Oktober dasselbe mit Saaremaa geschieht, bleibt Hiiumaa der letzte größere sowjetische Stützpunkt im Rücken der Deutschen. Zusammen mit Vormsi gehörte Hiiumaa zum sog. nördlichen Befestigungssektor, der Oberst Konstantinov unterstand. Diese Einheit setzte sich aus zwei Bataillonen der 16. Schützendivision, zwei Ingenieurbataillonen, sechs Küstenschutz und zwei Flugabwehrbatterien sowie aus den Resten der vom Festland und von anderen Inseln hierher abgesetzten Einheiten zusammen. Insgesamt befanden sich über 3000 Rotarmisten auf der Insel. trotz des intensiven Ausbaus der Befestigungsanlagen war davon noch vieles halbfertig. In dieser Lage begannen am Morgen des 12. Oktobers die deutschen Truppen unter Leitung des Kommandeurs der 61. Inf-Division, General Haenicke, und von Admiral Glasen mit der Operation "Siegfried" zur Eroberung von Hiiumaa. Im Süden der Insel beginnend, wird der Feind bis zum 17. Oktober auf die Halbinsel Tahkuna zurückgedrängt; die letzte Stellung fällt am 21. Oktober. Nur den wenigsten gelingt eine Flucht über das Wasser, die meisten geraten in Gefangenschaft oder kommen um. Diese Ereignisse gingen an der Insel nicht vorbei, ohne Spuren zu hinterlassen. Vor dem Rückzug aus Kärdla war die Tuchfabrik in Brand gesteckt worden, und dies war nicht die einzige rauchende Ruine.

Von den geschichtlichen Ereignissen jetzt wieder zu denen im Postablauf Gleich am Kriegsbeginn wurde in der Sowjetunion als Besondere Form der Feldpost die Marine-Feldpost eingerichtet. Unter den zwölf Marine-Feldpostämtern des Ostseebereichs befand sich die Nr. 1112 tragendes Postamt in Kärdla. Leider hat der Verfasser keine Postsendung mit diesem Stempel gesehen.

Es ist bekannt, daß das Exekutivkomitee des Kreises Läänemaa zum 1. Oktober 1941 die Schließung aller Postanstalten anordnete. Das konnte nur für die Anstalten gelten, die bis dahin noch arbeiteten. Die Postagentur von Tatermaa stellte den Dienst schon am 3. Juli ein, als ihre Leiterin Juuli Kraavik deportiert wurde. Die Agenturen von Suuremöisa und Nurste beendeten ihre Tätigkeit am 1.September, die von Kõrgessaare, Puski und Tornimäe am 20.September. Bei den übrigen (Heltermaa, Jausa, Kassari, Pühalepa und Ulja und die Ämter in Emmaste, Käina und Kärdla) könnte der 1. Oktober zutreffend sein.

Das Post-, Telegrafen- und Telefonamt von Kärdla nahm am 26. Oktober 1941 unter Leitung von Joann Nurk den Dienst wieder auf. Am 27. Februar 1942 übernahm der bisherige Stellvertreter Mihail Raidma (früher Grünthal) dieses Amt. Die Postagentur von Heltermaa setzte unter der Leitung von Mihkel Tatter ihre Tätigkeit fort.

Die Postagentur von Suuremöisa nahm den Dienst am 1. November 1941 auf Hof Männa, der dem Vater der Agenturleiterin Aade Remmelkoor gehörte, wieder auf Die Agentur von Pühalepa wurde am 1. November 1941 unter Leitung der Gemeindesekretärin Magdalena Soosõrv wiedereröffnet.

Seit dem 1. Oktober 1941 setzte das Amt in Käina seine Arbeit fort. Die Leitung lag wieder bei Konstantin Kane, der diese Stellung seit dem 3.Juli bekleidet hatte, als Paul Elber aus Furcht vor einer Verhaftung sich im Wald versteckt hielt. Vom 25. Oktober an übernahm Paul Elber wieder die Leitung des Postamtes.

Die Postagentur von Kassari wurde am 1. November 1941 unter Leitung des Landwirts August Vahe wiedereröffnet.
Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung der Postagentur von Jausa ist unbekannt. Jausa ist aber die einzige Postanstalt auf Hiiumaa, die während der Besetzung einen deutschen Tagesstempel "Jausa über Hapsal" besaß. dessen Benutzung in den Jahren 1942 bis 1944 bekannt ist.

Das Amt von Emmaste setzte den Dienst am 1. November 1941 fort. Anstelle des am 1. Oktober verhafteten Arno Äri übernahm Madis Muul die Leitung.

Die Postagentur von Tatermaa blieb geschlossen.

Die Postagentur von Nurste wurde am 16. Novernber 1941 amtlich geschlossen, obwohl ihre Tätigkeit schon seit dem 1. September ruhte.

Die Postagentur in Ulja wurde am 1. November 1941 in der Wohnung des Färbereibesitzers Jaan Villmaa wiedereröffnet. Die Postagentur von Kõrgessaare setzte ihre Tätigkeit am 1. November 1941 unter Leitung der Gemeindesekretärin Helene Leesmaa fort.

Die Postagentur von Tornimäe setzte den Dienst auf dem Hof von Lydia Kark fort. Lydia Kark wurde am 3.Jull deportiert, sie konnte sich aber in Tallinn absetzen. Schon am 16. August nahm sie in der inzwischen geschlossen gewesenen Agentur die Arbeit wieder auf. Durch Kriegshandlungen wurde die Agenturtätigkeit am 20.September wieder unterbrochen, jedoch am 1. November 1941 wieder aufgenommen.

Die Postagentur in Puski nahm die Arbeit auf dem Hof von Jakob Laur am 28. Oktober oder 1. November 1941 wieder auf.

Am 2. und 3. Oktober 1944 erobert die Rote Armee Hiiumaa wieder. Im Unterschied zur ersten dauert diese Besetzung wesentlich länger und bringt neben allem anderen im Bereich des Postdienstes Grundlegende Veränderungen.