5. DIE POST ZUR ZEIT DES ESTNISCHEN FREISTAATES

5. 1. Neubeginn der Postordnung auf Hiiumaa

Nach dem Abzug der deutschen Besatzungsmacht konnte auf Hiiumaa mit der Wiederherstellung friedlicher Lebensverhältnisse begonnen werden. Die Kampfhandlungen des Freiheitskrieges erreichten Hiiumaa nicht und der Krieg beeinflußte das Leben auf der Insel nur insofern, als daß man Teil des Hinterlandes von einem im Krieg befindlichen Staates war. Es ist angebracht, die Übersicht der Postorganisation auf Hiiumaa zur Zeit des estnischen Freistaates mit dem Text eines Rapportes zu beginnen:

"Rapport des Postillons voll Helterma
Peet Gustavs Sohn Julge
An den Leiter des Post- und Telegrafenamtes in Kärdla
Beim Abzug, der deutschen Truppen von der Insel konnte auf Hiiumaa nur die Gemeindepost eingerichtet werden. Ich bekam vom Leiter des Kreises Läänemaa die Aufforderung mit dein Schiffskapitän Wesmes von Hiiumaa nach Heltermaa zu kommen wohin vorläufig alle Post voll Hiiumaa geschickt worden ist. Dort mußte ich alle Post nach Gemeinden sortieren und die aufs Festland gehende Post wurde auch für Haapsalu von mir bestimmt.
Meine Tätigkeit in Helterma fing ich vom 23sten November 1918 all. Meinen Antrag zusammen mit Personalausweis und Gesichtsbild schickte ich der Estnischen Postverwaltung ungefähr am 27.Noveniber im Jahre 1918. Als Inspektor Savejew auf Hiiumaa die Postanstalten eröffnen war befahl er mir bis zur neuen Verordnung, dort im Amt zu bleiben, in sein Taschenbuch meinen Namen und den Beginn meiner Amtszeit vermerkend versicherte er daß eine Entlassung zu befürchten nicht nötig ist und bei Bedarf ich in eine andere nähere Behörde versetzt werden kann. Jetzt habe ich mir auferlegte Pflichten seit dem 23 November 1918 bis 28 Januar 1919 erfüllt ohne dafür irgendeine Bezahlung bekommen zu haben.
28.Januar d.J /Unterschrift/"

Dieses Schriftstück ist ein gutes Beispiel dafür, eine wie wertvolle Informationsquelle ein durch Jahrzehnte erhalten gebliebenes Blatt Papier sein kann. Als Kommentar vielleicht noch, daß Peet Julge zu der Zeit schon ein Postler mit Erfahrungen war. Der am 1. November 1906 im Postkontor von Käina begonnene Dienst hatte ihn in den Jahren dazwischen zu den Ämtern in Tapa und Valga geführt. Als im März 1919 die Postagentur in Helterma eröffnet wurde, setzte er seine Postlerkarriere bis zum 15. März 1944 in Kärdla fort. Als erste estnische Postanstalten auf Hiiumaa wurden in den ersten Dezembertagen des Jahres 1918 die Post- und Telegrafenkontore von Käina und Kärdla eröffnet. Die folgenden Anstalten folgten erst im Jahre 1919.

Die nachfolgende Beschreibung der Postanstalten von Hiiumaa zur Zeit des Estnischen Freistaates ist nach territorialen Grundzügen gegliedert. Begonnen wird mit Kärdla und fortgesetzt mit einzelnen Gemeinden. Dadurch wird eine umfassender Behandlung der regionalen Postorganisation erreicht. Die einzelnen Postanstalten einer Gemeinde werden in der zeitlichen Reihenfolge ihrer Eröffnung vorgestellt.

5.2. Das Post-, Telegrafen- und Telefonamt in Kärdla

Mit dem Auftrag, die Post auf den Inseln von den Deutschen zu übernehmen und wieder in Gang zu setzen, fuhr der Instruktor Mihhall Saveljev (später estnisiert Savendi) zusammen mit Peeter Schüts zuerst nach Kuressaare, wo sie am 28.November 1918 eintrafen. Es stellte sich heraus, daß die dortigen Postler das Postamt von den Deutschen schon übernommen und auch einen Kandidaten für den Posten des Amtsleiters in der Person von Boris Mürson (später estnisiert Müürsoo) hatten. Zu zweit setzte man den Weg nach Hiiumaa fort. Zuerst wurde am 2.Dezember das Postamt in Käina eröffnet, zwei Tage später schaffte man die Eröffnung in Kärdla.

Das am 4. Dezember 1918 eröffnete Post-, Telegraphen- und Telefonkontor von Kärdla wurde in Klasse IV eingestuft. Als Leiter wurde der ursprünglich für das Amt in Kuressaare vorgesehene, aber wegen der obengenannten Situation bei den dortigen Insulanern übriggebliebene Peeter Schüts ernannt.

Das Postamt begann mit der Arbeit im selben, dem Baron von Stackelberg gehörenden Haus, wo schon die russische Post-Telegrafen-station untergebracht gewesen war. Es sei an dieser Stelle erwähnt, daß sich das Postamt bis zum Heutigen Tage in diesem Haus an der Poststraße Nr. 7 befindet. Ebenfalls ist auch nicht bekannt, daß sich das Postamt während seiner Tätigkeit anderswo als. in diesem Haus befunden hätte. Offensichtlich hat der Leiter Peeter Schüts recht, wenn er in seinem Brief vom 24.Februar 1919 an die Postverwaltung berichtet: "Die Räume sind zweckmäßig und erfordern keinerlei Umbau." Die hundertjährige Betriebszeit bedingte einige Umbauten, aber das Haus hat die Postler und Postkunden durch die Zeiten wacker bedient.

Eine gute Übersicht der Zusammensetzung und der inneren Arbeitsregelung des Postamtes von Kärdla gewinnt man aus den schriftlichen Erinnerungen der langjährigen, Mitarbeiterin Ljudmilla Tomingas-Muul. Im April 1920 begann sie ihre Ausbildung im Postamt von Kärdla. Zu der Zeit war Peeter Schüts der Leiter, als Beamte arbeiteten Madis Schmuul (später estnisiert Muul) und Karl Mudamaa, als Postboten Johannes Naur und Peet Julge, als Mechaniker Herbert Koit und als Auszubildender Voldemar Vahter. Anfangs besaß das Amt eine Telefonvermittlung für 30, später für 100 Anschlüsse. Mittels Mors-Telegraf bestand Verbindung zu den Postämtern in Tallinn, Haapsalu, Kuressaare, Leisi, Käina und Emmaste. Anfangs erstreckte sich der Dienst an den Geräten über 24 Stunden. Das Telegrammaufkommen im Monat lag bei 60 bis 70, hauptsächlich von der Tuchfabrik.


Die Mitarbeiter des Postamtes von Kärdla im Jahre 1932: Peeter Julge, Mihhail Raidma, Madis Schmuul,
Herbert Koit, Joann Nurk, Ludmilla Schmuul und Johannes Küla.

Zu den Aufgaben des Leiters gehörten die Annahme und Auszahlung on Postanweisungen, Annahme von Gebühren und Zeitungsbestellungen, die Rechnungsführung von Transportkosten, das Verfassen von Berichten und der Schriftverkehr. Der Beamte Madis Schmuul war zuständig für die Annahme und Ausgab von Paketen und Einschreibsendungen, für das Einziehen von Nachgebühren, die Mitarbeit beim Verfassen von Berichten, Arbeit am Telegrafen und Urlaubsplanung für die Ämter in Käina und Emmaste. Die im Jahre 1921 anstelle des Wehrdienstleisthänden Karl Mudamaa Beamtin gewordene Ljudmilla Tomingas war ebenfalls für die Einschreibsendungen zuständig, sie verkaufte Briefmarken, verschickte den Telefonkunden Rechnungen und den Verlagen die Zeitungsbestellungen, hielt die Tarife und Vorschriften und eingeschriebenen Sendungen. Das Postamt war von 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends geöffnet. Davon bedingt wurde in zwei Schichten gearbeitet: morgens Amtsleiter Schüts und der Beamte Schmuul (in dessen Abwesenheit der Postbote Julge bis nachmittags 3 Uhr und von da an die Beamtin Tomingas.

Bei Eintreffen der Post am Abend waren alle Bediensteten zur Stelle. Die örtliche Jugend versammelte sich zu der Zeit im Postamt. Wer zugegen war, konnte seine Briefe gleich mitnehmen. Die restlichen stellte der Postbote am nächsten Morgen zu.

Peeter Schüts wurde im November 1924 wegen Veruntreuung von Geldern entlassen. Als kommissarischer Leiter wirkte bis Jahresende Madis Schmuul. Danach kam als Leiter Jüri Peters vom Telegrafenamt Tallinn. Seine Amtszeit in Kärdla war kurz. Schon im Mai 1927 kehrte er auf eigenen Wunsch zu seiner alten Arbeitsstelle zurück, und a s Leiter des Amtes in Kärdla kam Joann Nurk aus Kasari. Er blieb lange Zeit mit dem Postamt von Kärdla verbunden.

Wenn das Postamt von Kärdla in der Liste der Postanstalten Estlands 1929 noch als Amt IV. Klasse eingestuft war, so änderte sich das 1930 zum Amt III. Klasse. Das Postamt von Kärdla war für viele Postagenturen auf Hiiumaa das Kontrollamt: für Heltermaa, Isabella, Kuri, Kõrgessaare, Malvaste, Nõmba, Palade, Puski, Suuremõisa, Tomimäe.

Aufgangs fand der Postaustausch des Amtes Kärdla mit dem Amt von Haapsalu statt, später mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu bzw. Haapsalu-Tallinn. In Fällen von Schwierigkeiten bei der Überquerung der Meerenge (brüchiges Eis) konnte der Austausch auch mit Tallinn geschehen. Vom Postamt Kärdla gelangten die Sendungen zu den Agenturen von Nõmba, Kõrgessaare, Malvaste, Isabella, Puski und Tornimäe sowie zu den Posthöfen von Prähla und Tubala an der Strecke Kärdla-Nömba.

Amtsleiter:
4. 12. 1918 - 20. 11. 1924   Peeter Schüts
20. 11. 1924 - 1. 1. 1925   kommissarisch Madis Muul (Schmuul)
1. 1. 1925 - 16. 5. 1927   Jüri Peters
16 .5. 1927 - 27. 2. 1942   Johann Nurk
Stellvertreter:
1. 3. 1922 - 20. 11. 1924   Madis Muul (Schmuul)
1. 1. 1925 - 1. 4. 1927   Madis Muul (Schmuul)
1. 7. 1931 - 15. 2. 1938   Madis Muul (Schmuul)
1. 6. 1939 - 27. 2. 1942   Mihail Raidma (Grünthal)

Poststempel: Aus dem Jahre 1919 sind bekannt
- Weiterbenutzung des alten russischen Tagesstempels,
- Gummistempel mit Ortsnamen (in Latein. Buchstaben) + Datumszeile
(in russ. Buchst.), Von Tagesstempeln sind 5 verschiedene bekannt.


5.3. Die Gemeinde Suuremöisa und Pühalepa (seit 1938)

Die Postagentur von Heltermaa

Wie aus oben Beschriebenem ersichtlich, wurde in Heltermaa schon am 23.November 1918 durch Peet Julge damit begonnen, die Postgeschäfte unter Bedingungen des Estnischen Freistaates zu organisieren. Sein Bestreben war in erster Linie auf Postaustausch von Hiiumaa mit dem Festland gerichtet und weniger auf die Bedienung der örtlichen Kundschaft. Es ist nicht bekannt, wie der lokale Postaustausch genau geregelt war. Wahrscheinlich ist aber, daß die ansässigen Postkunden ihre notwendigsten Angelegenheiten mit Hilfe von Peet Julge erledigen konnten.

Zur richtigen Eröffnung einer Postanstalt kam man in Heltermaa am 18. März 1919. Die Postagentur wurde im Hause der ehemaligen Pferdepoststation eröffnet, in dem sich zu der Zeit auch die Schule befand. Die Pflichten des Agenturleiters übernahm der Lehrer und Schriftsteller Julius Ongo (Oengo). Vom 1. Juni 1919 an leitete der frühere Postbote Mihkel Tatter aus Kärdla die Postagentur. Es ist bekannt, daß sich die Postagentur im Jahre 1927 in einer Privatwohnung befand. Aus den Zeitungen "Kaja" und "Rahva Sõna" vom 23.November 1928 bekommen wir zu wissen, daß die Postagentur von Heltermaa mit dem Austausch von Telegrammen begonnen hat. Aus der Liste der Postanstalten für das Jahr 1930 wird ersichtlich, daß die Postagentur auch Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis zu einem Wert von 500 Kronen bearbeitet. Noch nach der Liste von 1929 wurden nur einfache und eingeschriebene Briefe bearbeitet. Am 25. März 1938 wurde die Postagentur im Hause von M. Tatter untergebracht.

Poststempel: Aus dem Jahre 1919 sind handschriftliche Vermerke bekannt.
Von Tagesstempeln sind zwei verschiedene benutzt worden.


Die Postagentur von Hiiu-Hellamaa und Kuri

Am 22. Oktober 1919 wurde die Postagentur von Hiiu-Hellamaa eröffnet, die schon am 14. November 1919 in Kuri ungenannt wurde. Die Agentur befand sich im Laden der Verbrauchergemeinschaft und wurde von der Frau des Geschäftsführers, Anna Kreek, geleitet. In den Anfangsjahren wurden nur einfache und eingeschriebene Sendungen bearbeitet. Seit 1929 ist in der Liste der Anstalten aufgeführt, daß die Agentur von Kuri auch Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 250 Kronen bearbeitet. Mit dem Austausch von Telegrammen wurde im November 1928 begonnen. Die Zeitung "Päevaleht" schreibt am 25. August 1933:

"Auf Vorschlag der Postverwaltung stimmte die Gemeindeversammlung von Suuremöisa der Schließung der Postagentur von Palade und Kuri und der Eröffnung einer neuen Postagentur bei der Gemeindeverwaltung in Suuremöisa zu. Die Schließung wurde dadurch bedingt, daß sich die Agenturen zu nahe beieinander befanden."

Die Postagentur von Kuri wurde am 30.Dezember geschlossen, und an ihre Stelle trat der Posthof von Tempa mit einer Telefonsprechstelle. Bei den Sendungen sollte in der Adresse der Name des Posthofs zuletzt geschrieben und unterstrichen werden, denn der Posthof befand sich an der Strecke Heltermaa-Kärdla und tauschte die Post mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu aus ("Postimees" 10, 11. 1. 1934).

Poststempel: Aus den Jahren 1919/20 sind handschriftliche Vermerke "Kuri" bekannt.
Von Tagesstempeln ist die Verwendung nur eines Stempels von Kuri bekannt.

Die Postagentur von Palade

Die Postagentur von Palade wurde am 16. oder 25.Februar 1925 im Laden von Peeter Kokla eröffnet, der auch die Agentur leitete. In den Anfangsjahren wurden nur einfache und eingeschriebene Sendungen bearbeitet. Seit 1929 ist in der Liste der Postanstalten vermerkt, daß diese Agentur auch Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 250 Kronen bearbeitet. Im November 1928 wurde mit dem Austausch von Telegrammen begonnen. Die Postagentur von Palade wurde gleichzeitig mit der von Kuri am 30.Dezember 1933 geschlossen. Auch in Palade setzte ein Posthof mit Telefonsprechstelle die Postarbeit fort. Der Postaustausch geschah mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu.

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Suuremõisa

Die Agentur wurde am 22. oder 23.März 1925 im Laden von J. Tonberg und F. Krähenbühl eröffnet, von wo sie später in die Wohnung von V. Vannas verlegt wurde. Wie im Falle der Postagenturen von Kuri und Palade finden wir seit 1929 in der Liste der Postanstalten auch für Suuremöisa den Vermerk über die Bearbeitung von Postanweisungen, Paketen und Nachnahmesendungen bis 250 Kronen. Sogar der Telegrammaustausch begann gleichzeitig mit den vorgerannten Agenturen - im November 1928. De Postaustausch geschah mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu. Aus Suuremõisa erhielten ihre Post die Posthöfe von Kerema und Salinõmme.

Amtsleiter:
Frau Pauline Ploompuu 

 seit 22. 3. 1925

Villem Vannas 

 28. 7. 1927 - 1. 9. 1941

Poststempel: es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Nõmba

Die Postagentur von Nõmba wurde am 22. März 1929 in der Meierei von Nõmba unter der Leitung des Meiers Leopold Julge eröffnet. Der Postaustausch geschah mit dem Postamt in Kärdla. Letzteres war auch das Kontrollamt für die Agentur von Nõmba. Begonnen wurde mit einfachen und eingeschriebenen Sendungen, zu denen bald Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 100 Kronen hinzukamen.

Aus der Postagentur wurde auch die Post zum 4 km entfernten Posthof von Vilivalla gebracht.
Die Zeitung "Vaba Maa" Nr. 12 schreibt am 16.Januar 1937: "Die Hauptpostverwaltung schlug der Gemeindeverwaltung von Pühalepa vor, die Arbeit der Postagentur von Nõmba einzustellen und sie in einen Posthof umzuwandeln. Nach Angabe der Postverwaltung wurde im vergangenen Jahr durch die Postagentur nur eine Zeitung bestellt und auch der sonstige Arbeitsaufwand ist gering." Die Schließung wurde zum 1. Dezember 1938 vollzogen.

Poststempel: Es wurde ein Tagesstempel benutzt.

Die Postagentur von Pühalepa

Diese Postagentur wurde am 30. Dezember 1933 bei der Gemeindeverwaltung in Suuremöisa anstelle der beiden Agenturen von Palade und Kuri eröffnet ("Postimees" Nr. 10, 11. 1. 1934). Die Pflichten der Agenturleitung übernahm die Gemeindesekretärin Magdalene Soosõrv (früher Arenschild). Die Postagentur befaßte sich ab sofort zusätzlich zu einfachen und eingeschriebenen Sendungen auch mit Postanweisungen, Paketen und Nachnahmesendungen bis 500 Kronen. Der Postaustausch geschah mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu. Die Posthöfe in Kuri, Sääre und Puliste wurden von der Postagentur von Pühalepa beliefert.

Poststempel: es wurde ein Tagesstempel benutzt.

5.4. Die Gemeinde Käina

Das Post-, Telegrafen- und Telefonamt von Käina

Am 2. Dezember 1918 wurde in Käina das Post-, Telegrafen- und Telefonamt V. Klasse eröffnet, dessen Postaustausch anfangs mit dem Amt in Haapsalu und später mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu geschah. Wenn das Amt Käina in der Liste der Postanstalten Estlands von 1929 noch in der Klasse V geführt wurde, so steht das Amt in der Liste von 1930 schon in der IV. Klasse. Die zwischen Heltermaa und Käina liegenden Posthöfe von Pasti und Vaemla und der zwischen Käina und Jausa liegende Posthof von Luguse tauschten ihre Post anfangs ebenfalls mit dem Amt in Haapsalu und später mit dem Postwagen Tallinn-Haapsalu aus. Das Postamt in Käina belieferte die Postagenturen in Kassari und Tatermaa und die Posthöfe von Putkaste, Hundiaugu, Kogri, Valli, Kolga, Mäeltse, Nõmme, Selja, Kaigutsi, Männamaa, Ühtri, Adma, Kleemu, Vaku und Orjaku. Die Telefonzentrale von Käina war 1934 mit den Posthöfen von Kaigutsi, Kolga, Männamaa, Vaemla und Ühtri verbunden.

Amtsleiter:
Anton Heinso (früher Pada)   2. 12. 1918 - 11 .6. 1921
Eduard Tammik   11. 6. 1921 - 1. 10. 1927
Kristjan Tasamäe (früher Leisberg)   1. 10. 1927 - 4. 10. 1939
Paul Elber (früher Elberg)   4. 10 .1939 - 3. 7. 1941

Poststempel: Bei einem aus Holz geschnitzten provisorischen Stempel mit dem Ortsnamen wurde
das Datum handschriftlich beigefügt. Von Tagesstempeln sind mit "KEINA" drei verschiedene und mit "KÄINA"
zwei  verschiedene bekannt.

Die Postagentur von Kassari

Am 22. Juli 1927 wurde die Postagentur von Kassari-Hiiumaal eröffnet. Am 1. Juli 1934 wurde sie in Postagentur Kassari umgenannt. Die Agentur wurde im Vereinshaus des Jugendverbandes eröffnet. Nachdem dieses Haus am 1. Juni 1928 niederbrennte, wurde die Postagentur vorläufig in der Grundschule untergebracht. In der Zeitung "Rahva Sõna" vom 12. Oktober 1929 steht zu lesen, daß in der Postagentur von Kassari-Hiiumaal die Dienste für Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen bis 100 Kronen angeboten werden. Die Gemeindeversammlung von Kassari bestimmte zum neuen Standort der Postagentur den Hof von Peetri-Mihkli. Gleichzeitig wurde die von der Hauptpostverwaltung geforderte Mitverantwortung in Höhe von 400 Kronen Heinrich Kibus auferlegt ("Maaleht" 142, 2. 12. 1933). Der Postaustausch fand mit dem Amt von Käina statt. Der Posthof von Taguküla bekam seine Post von der Agentur in Kassari.

Leiter:
Priidu Elmi   seit 22. 7. 1927
der Gärtner Anton Kibus   seit 23. 5. 1928
der Landwirt August Vahe   1. 6. 1935 - 1. 10. 1941

Poststempel: Benutzt wurde ein Tagesstempel mit dem Text "KASSARI-HIIUMAAL".

Die Postagentur von Jausa

Die Postagentur von Jausa wurde am 30.Juli 1928 im Laden der Verbrauchergemeinschaft eröffnet. Über die Aufnahme der Dienste für Postanweisungen, Pakete und Nachnahmesendungen (bis 500 Kronen) zusätzlich zu den einfachen und eingeschriebenen Sendungen erfahren wir seit 1930 aus der Liste der Postanstalten. Am 8.Januar 1929 gibt "Päevaleht" die Eröffnung einer Fernsprechstelle bei der Postagentur von Jausa bekannt.

Leiter: die Geschäftsführer
Rudolf Löhmus   seit 30. 7. 1928
Alfred Vähejaus   seit 16. 3. 1932
Johannes Vaim   seit 13. 4. 1934
Elmar Varendi (früher Valdmann)   seit 14. 1. 1935
Johannes Vaus   seit 31. 12. 1937

Poststempel: es wurde ein Tagesstempel benutzt.