Postkarte aus Kärdla (21. 12. 1911) nach Tallinn. Ex Hurt.

POSTGESCHICHTLICHER ÜBERBLICK VON HIIUMAA BIS 1944

Elmo Viigipuu (Eesti Filatelist #36, 1996)

Den Namen Hiiumaa trägt der kleinste Landkreis des heutigen Estlands und die zweitgrößte estnische Insel (989 km2). Außer der Namengehbeenden Insel umfußt der Landkreis noch mehr als 200 verschieden große Inseln, Schären, Klippen und Riffe. Die großte von ihnen ist Kassari (19,2 km2), die durch zwei Dämme mit Hiiumaa verbunden ist. Mehr als 1 km2 erreichen nur die Schären Vohilaid, Saamaki, Kaevatsi und Heinlaid. Der Bekannteste von den vielen früheren Namen Hilumaas - Dagaithi, Dagö, Dageida, Dachden, Dagden, Daghöe, Dago - ist die skandinavische Form Dagö. Die erstmals im 11. Jahrhundert im Gotländischen Recht benutzte Bezeichnung bedeutet dag (Tag)+ö (Insel) = Tagesinsel.

Der vorliegende Beitrag versucht das von Elmar Ojaste benutzte Schema zur postgeschichtlichen Darstellung estnischer Orte beizubehalten. Deshalb wird die postgeschichtliche Information vor dem gesamthistorischen Hintergrund dargeboten. Ist doch die Post nur eine Art der Nachrichtenübermittlung und keine Sache für sich, sondern ein Teil des täglichen Lebens. Obwohl das Material chronologisch dargeboten wird, ist die früher übliche Einteilung in größere und kleinere Abschnitte geändert worden, um das inhaltliche Gleichgewicht auszugleichen und den Benutzern das Auffinden von Details zu erleichtern.

Daß vom Telegrafen und Telefon weniger berichtet wird, kommt vor allem daher, daß ihre Verbindung mit der Post organisatorischer Art war (meistens wurden die verschiedenen Verbindungsarten entweder von einem gemeinsamen Amt oder von eng miteinander verbundenen Ämtern den Benutzern angeboten). Der zum besseren Verständnis der Postentwicklung nötige allgemeinhistorische Hintergrund verwässert in diesem Artikel ohnehin "die Dichte der philatelistischen Information". Deshalb wird weniger Gewicht auf eine ausgeglichene Darstellung der Tätigkeit damaliger Ämter gelegt, sondern bevorzugt auf der Post.

1. DIE POST BIS ZUM ZWEITEN JAHRZEHNT DES 18. JAHRHUNDERTS

1.1. Die Zeit der alten estnischen Unabhängigkeit bis 1228

Nach Angaben von Archäologen stammen die ersten Funde menschlichen Wirkens auf Hiiumaa aus dem 4. vorchristlichen Jahrtausend. Die Funde belegen nicht eine ständige Besiedlung, aber die Insel maß seinerzeit bekannt gewesen sein. Aus den folgenden Jahrtausenden sind Zufallsfunde bekannt, wobei für längere Perioden keine Funde vorliegen. Offensichtlich war die Besiedlung der Insel nicht allzu zahlreich und wahrscheinlich fehlte sie öfters ganz. Aus dem ersten nachchristlichen Jahrtausend gibt es einzelne Funde aus Kõpu, Tubala, Nõmba und Kiivera, die schon eine ständige Besiedlung vermuten lassen. Die erste urkundliche Erwähnung von Hiiumaa stammt aus dem Jahre 1228. In der Urkunde über die Belehnung von Bischof Goofriend mit dem neugegründeten Bistum Ösel (Saaremaa) wird Hiiumaa, ein Teil des Lehens, als leere Insel erwähnt - Quadam insula deserta, qua dicitur Dageida (irgendeine leere Insel, die Dageida genannt wird).

Obwohl konkrete Angaben einer Nachrichtenübermittlung fehlen, bedeutet dies nicht daß so etwas nicht stattfand. Sicherlich hat es einen Nachrichtenverkehr mit der im damaligen Sinne wirtschaftlich und politisch gut entwickelten Insel Saaremaa gegeben. Auszuschließen auch die Wahrscheinlichkeit von Verbindungen zu den näheren und weiteren Nachbarn an den Ufern der Ostsee.

1.2. Unter Verwaltung des Bistums Ösel (Saaremaa) bzw. Ösel-Wiek (Saare-Läänemaa) sowie des Livländischen Ordens 1228-1563

Obwohl bei der Gründung des Bistums als leere Insel bezeichnet, mußte das nicht unbedingt so sein und im Laufe der Zeit blieb die Insel sicherlich auch nicht leer. Weil aus dieser Zeit von Hiiumaa wenig überliefert ist, sind auch unsere Kenntnisse darüber gering. Im Jahre 1254 wurde die Insel zwischen dem Bischof von Ösel und Wiek sowie dem Livländischen Orden aufgeteilt. der Orden erhielt den nordöstlichen Teil, woraus sich das Kirchspiel Pühalepa bildete. Den Rest der Insel behielt der Bischof und daraus entwickelte sich das Kirchspiel Käina. Weil die Insel spärlich besiedelt war, vergrößerte sich ihre Einwohnerzahl durch Zuwanderung vom Festland, von den Inseln Saaremaa und Muhu sowie aus Schweden und Finnland.

Am 26. September 1559 verkaufte der Bischof von Ösel-Wiek und Kurland, Johann v. Münchhausen, seine Bistümer dem dänischen König Frederik 11. Dieser übertrug die Verwaltung der Gebiete seinem Bruder Magnus, Herzog von Holstein, der in den Jahren 1570 - 1578 König von Livland war. Dem Orden gehörende Teile von Hiiumaa unterstanden weiterhin dem Ordensvogt in Maasi. Die Dänen behielten ihren Teil von Hiiumaa nur vier Jahre, dann kam die ganze Insel unter schwedische Herrschaft.

1.3. Die Schwedenzeit

Die Schweden eroberten Hiiumaa im August/September 1563. Abweichend von verschiedenen anderen Teilen Estlands, die im Verlaufe des Livländischen Krieges wiederholt von verschiedenen Mächten erobert wurden, blieb die schwedische Verwaltung hier nahezu anderthalb Jahrhunderte bestehen. Im Jahre 1620 pachtete der Sohn des schwedischen Heerführers und Livländischen Gouverneurs Pontus de la Gardie, Jacob de la Gardie, drei Viertel von Hiiumaa, die er 1624 für 30 000 dänische Taler kaufte.

1624 gründete J. de la Gardie das Gut Hohenholm (Kõrgessaare), von wo aus auch die erste estnische reguläre Schifffahrtslinie nach Stockholm geführt haben soll. 1628 gründete er eine Glashütte, die bis 1664 arbeitete und deren auf gutem Niveau stehende Erzeugnisse (Fensterglas, Trinkgefäße, verschiedenes Geschirr und Flaschen) hauptsächlich außerhalb der Insel vermarktet wurden. Wenn man die Glasherstellung als etwas unüblich ansehen mag, so war man auch gleichzeitig auf eher traditionellen Gebieten tätig: Ziegel - und Kalkbrennerei, Salzsiederei, Holzbearbeitung und Schiffbau, ganz zu schweigen von üblicher Landwirtschaft, Viehzucht und Fischfang.

Wann der erste Brief nach Hiiumaa ging oder von dort verschickt wurde, ist unbekannt. Voraussetzung dafür waren schreibkundige Leute auf der Insel, und das waren Pastoren und Gutsherren. Anfangs war der Umfang der übermittelten Nachrichten gering. Zum Überbringen dand sich ein Bote, der die Reise auf sich nahm, oder man bediente sich ausreichend vertrauenswürdiger Personen, deren Weg zufällig in die Richtung führte. Mit der Zunahme der Sendungen wurde die Suche nach passenden Beförderungsmöglichkeiten lästig. An den größeren Verbindungswegen wurden ständige Boten eingesetzt. es ist bekannt, daß im Jahre 1532 der Bauer Hanske aus dem Dorf Koguva auf der Insel Muhu (Moon) vom Ordensmeister Wolter von Plettenberg den Freibrief mit der Maßgabe ständiger Botenpflicht für sich und seine Nachkommen bekam. Die Smuuls - Hanskes Nachkommen - beförderten die Post zwischen Saaremaa und Festland mehrere Jahrhunderte lang.

Wie der Historiker Leo Tiik herausgefunden hat, war Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts auch im Dorf Emaste ein Bauer vom Frondienst befreit, weil er die Beförderung von Post und Reisenden über die Meerenge von Soela zwischen Hiiumaa und Saaremaa besorgte. Aus dem erhalten gebliebenen Kontrollbuch der Post des Jahres 1698 geht hervor, daß unter den in diesem Jahr aus Stockholm nach Estland adressierten ein paar Tausend Briefen auch einer nach Hiiumaa gerichtet war. Das zeigt eindeutig, wie "intensiv" der Postverkehr von Hiiumaa war, aber er war da.

2. DIE ERSTEN ANDERTHALB JAHRHUNDERTE DER RUSSISCHEN ZEIT

2. 1. Hiiumaa im 18. Jahrhundert

Der Mißerfolg der Schweden im Nordischen Krieg bewirkte im Herbst 1710, daß zusammen mit anderen estnischen Landesteilen auch Hiiumaa Rußland einverleibt wurde. Offiziell wurde das erst elf Jahre später am 30. Oktober 1721 bestätigt, als Schweden und Rußland im finnischen Uusikaupunki (Nystad) den Friedensvertrag schlossen. Die Postverhältnisse von Hiiumaa wurden schlechter, die Postämter lagen weit weg. Die zur Schwedenzeit tätigen Postämter in Haapsalu und Kuressaare arbeiteten nicht mehr, sie wurden erst 1765 (Kuressaare) und 1783 (Haapsalu) wiedereröffnet. Natürlich ruhte der Nachrichtenverkehr nicht ganz, er war nur, verglichen mit der früheren Zeit, langsamer und unregelmäßiger.

2.2. Hiiumaa als Zwischenstation auf der Strecke Kronstadt-Danzig

In den postgeschichtlichen Arbeiten der russischen Historiker Sokolov und Vigilev finden sich Hinweise auf Hiiumaa in Verbindung mit der Postgeschichte Rußlands. In ihnen wird behauptet, daß die aus Kronstadt nach Westeuropa fahrenden Schiffe einen Zwischenhalt auf Hiiumaa einlegten. es ist schwer abzuschätzen, inwieweit diese Zwischenhalte einen Einfluß auf die Postgeschichte von Hiiumaa hatten. Grundsätzlich schufen sie eine Möglichkeit zum Austausch, und deshalb ist es vielleicht angebracht, hierbei etwas zu verweilen.

Peter I. machte die Stadt an der Newamündung, deren Bau 1703 begonnen hatte, 1712 zur Hauptstadt seines Reiches. Selbstverständlich brauchte die Hauptstadt neben allem anderen auch gute Verbindungen zur übrigen Welt. Daher bekam das Admiralitätskollegium am 7. Februar 1724 von Peter 1. die Anweisung zum Bau von acht Postschiffen. Bis zur Fertigstellung der neuen Schiffe wurde beschlossen, zum Transport von Post und Passagieren zwei vorhandene Fregatten einzusetzen. Da von den geplanten acht Schiffen nur sechs gebaut wurden, standen schließlich für den Verkher zwischen Kronstadt und Lübeck bzw. Danzig zusammen mit den zwei alten insgesamt acht Schiffe zur Verfügung.

Als erste wurde am 3. April 1724 die Linie Kronstadt-Lübeck eröffnet. Nach Fertigstellung der neuen Schiffe kam im Juli desselben Jahres die Linie Kronstadt-Danzig dazu. Die Schiffe der beiden Linien verließen die Hauptstadt gleichzeitig zu zweit, nachdem sie die Post, Passagiere und Fracht an Bord genommen hatten. Die Schiffe verließen alle acht bis zwölf Tage Kronstadt, nachdem am selben Tage aus St Petersburg die Passagiere und Post mit kleinen Booten herangebracht worden waren; die Fracht und das Gepäck der Reisenden war schon vorher auf die Schiffe gebracht worden. Die mit "Lübeck" bzw. "Danzig" gekennzeichneten Postsäcke wurden vom St Petersburger Postmeister versiegelt, die Schiffskapitäne quittierten den Empfang und überbrachten sie in die Zielorte. Eine derartige Prozedur weist wohl nicht auf einen Postaustausch bei Zwischenstationen hin. Auf der Strecke Kronstadt-Danzig machten die Schiffe in Revel und Dagerort Halt auf der Strecke nach Lübeck sind keine Zwischenhalte bekannt.

Angaben über Posttarife sind nur für die Zielhäfen und erst ab 1728 bekannt. Die Brieftaxe nach Lübeck betrug 40 und nach Danzig 20 Kopeken je Lot (1 Lot = ca. 13 g). In den Jahren 1724-27 galten auf dem Seewege offensichtlich die gleichen Tarife wie auf dem Landwege. Anders war es bei der Personenbeförderung. So kostete die Reise zwischen Kronstadt und Dagerort 1 Jefimka und zwischen Dagerort und Danzig 2 Jefimken (1 Jefimka = 64 Kopeken).

Jetzt noch die Frage nach der Haltestelle dieser Schiffe auf Hiiumaa. Sicherlich war es nicht das von Vigilev gemeinte Kärdla (Kertel), wohin erst hundert Jahre später für die Tuchfabrik ein größerer Hafen gebaut wurde. Der Historiker Tiik plädiert für Suursadam (Tiefenhafen), das schon im 17.Jh. der bedeutendste Hafen Hiiumaa war. Mit Dagerort ist gewöhnlich der Leuchtturm von Kõpu bezeichnet worden, manchmal auch die Landzunge von Ristna. Gelegentlich hat man aber auch die ganze Insel Hiiumaa so genannt. Wahrscheinlich ist es auch bei den benutzten russischen Quellen so.

2.3. Reguläre Postverbindung mit dem Festland

Es ist unbekannt, wann, eine reguläre Postverbindung mit Hiiumaa die Boten oder zufällig reisenden vertrauenswürdigen Mittelspersonen ersetzte. Vielleicht gab den Anstoß dazu die mit dem Patent des Generalgouverneurs vom 9. Juli 1762 gegründete sog. Kirchspielpost, deren Aufgabe die schnelle und zuverlässige Beförderung von Amtspost an die Empfänger war. Es wird damit wohl Schwierigkeiten gegeben haben, denn ein inhaltlich gleiches Patent wurde am 20. Juli 1771 wiederholt.

Jedes Kirchspiel sollte einen vertrauenswürdigen Boten einstellen, der zweimal wöchentlich die Briefe der Amtspersonen zur nächstliegenden Poststation oder zum Postkontor brachte und die dort angekommenen Sendungen abholte und den Empfängern zustellte. Am 7. Februar 1786 wurde mit dem Patent des Generalgouverneurs George von Brown die sog. lokale Post eingerichtet, wodurch die Dienstleistungen der Kirchspielpost auch Privatleuten zur Verfügung standen.

Auf Hiiumaa organisierte den Postaustausch mit Haapsalu Baron v. Ungern-Sternberg. Einer der Leute seines Gutes Großenhof (Suuremõisa) beförderte die Post zwischen Hiiumaa und Haapsalu. Die Postboten anderer Kirchspiele der Insel tauschten ihre Post in Suuremöisa aus. Jedes Kirchspiel hatte für seine Post einen abschließbaren Postsack, der entweder im Postamt von Haapsalu oder bei der Kirchspielverwaltung verschlossen wurde. Die Postbeförderung zwischen Hiiumaa und dem Festland geschah im Sommer mit einem offenen einmastigen Segelboot. Diese Schaluppe war 20 Fuß lang, hatte zwei oder drei Mann als Besatzung und außer Post manchmal auch Passagiere mit. Die Skipper solcher Boote waren Männer aus küstennahen Dörfern, mit der See vertraut und erfahren im Segelsetzen.

Bis in die Mitte des 19.Jh. benutzte man für die Fahrten nach Haapsalu und Vormsi den Hafen von Vahtrepa. Erstmalig wird Vahtrepa 1564 urkundlich erwähnt. Der vom 16. Jh. an benutzte Hafen wurde wegen Verlandung des Hafenbeckens aufgegeben, der neue Hafenplatz fand sich im nahe gelegenen Helterma. Etwa gleichzeitig mit dem Hafenwechsel änderte sich auch das Fahrzeug. 1863 übernahm das Dampfschiff "Progress", dessen erster Kapitän Peet Kimberg war, die Verbindung. Das Schiff beförderte sowohl Passagiere als auch Fracht und Post. Die erste Mannschaft setzte sich aus Madis Kimberg (Bruder von Peet) und Mats Höesbi zusammen, der auch der letzte Skipper der Postschaluppe gewesen war. Im Jahre 1882 wurde Madis Kimberg neuer Kapitän, mit ihm fuhren während seiner Dienstzeit Mihkel Laupa und Nigulas Suits.

Am Ende der Schiffahrtssaison wurde das Schiff in Suursadam an Land gezogen, und der Kapitän war bis zum nächsten Frühjahr von seinen Pflichten entbunden. Die beiden Männer beförderten die Post nach Möglichkeit mit Segel - oder Ruderboot über Vormsi weiter. Sobald das Eis trug, wurde der Transport mit Pferdefuhrwerk fortgesetzt. Auf dickem und glattem Eis verlief die Postbeförderung regulär und sicher. Anders war die Lage zum beginn der Eisbildung und bei der Eisschmelze. Dann waren die Erfahrungen, die Ausdauer und der Mut dieser Männer ausschlaggebend. In diesen schwierigen und oft gefährlichen Augenblicken spielten die furchtlosen und zähen Pferde von Hiiumaa eine große Rolle. Die an Postbeförderung interessierten Gutsherren zahlten mutigen Männern für gefährliche Fahrten einen höheren Lohn und vergüteten ihnen bei Verlust von Pferd und Schlitten den Schaden. So ist bekannt, daß ein Mann, der als erster im Herbst von Hiiumaa über Eis nach Haapsalu die Post abholen fuhr, vom Großenhofes Baron 25 Rubel erhielt. Trotz aller Anstrengungen blieb die Postverbindung von Hiiumaa beinahe jedes Jahr zu Zeiten der Eisbildung und Eisschmelze für kürzere oder längere Zeit unterbrochen.

2.4. Die Postkommissionäre

Die für die Bewohner von Hiiumaa am nächsten liegende Postanstalt befand sich in Haapsalu. Weil es recht mühsam war, seine Geschäfte über das trennende Meer zu erledigen, bedienten sich die Inselbewohner der Hilfe eines in Haapsalu ansässigen Vertrauensmannes oder Postkommissionärs. Diese hatten die Vollmacht ihrer Klienten, um sie im Postamt zu vertreten. Als Postkommissionäre fungierten bekannte und vertrauenswürdige Männer wie der Notar J. L. Linse, Schiffskontorbesitzer Aleksander Jürgens und, kurz vor der Eröffnung des Postkontors in Kärdla, der Kaufmann Leopold Holmberg, dem auch ein Laden in Käina gehörte. Dadurch hatte er die Möglichkeit, anstatt Geld hinzuschicken, seinem Geschäftsführer die Anweisung zu erteilen, den betreffenden Betrag auszuzahlen. Das kam dem Geschäft zugute: das Risiko des Geldtransporters entfiel und der Geldempfänger war höflich genug, an Ort und Stelle einen Teil des Geldes gleich in Waren anzulegen.

Die Postkommissionäre bekamen in Haapsalu zwar die Sendungen für ihre Klienten ausgehändigt, aber ihre Weiterleitung nach Hiiumaa war abhängig von Verbindungsmöglichkeiten, die im Herbst und Frühjahr problematisch waren. So sind aus der Zeit von Linses Tätigkeit zwei Beschwerden unzufriedener Postkunden über den Postmeister von Haapsalu bekannt. Diese Angaben stammen aus den umfangreichen Untersuchungen vom M. Riimast über die Postgeschichte von Haapsalu und Läänemaa.

Am 3. März 1848 beklagte sich der Gouverneur in Tallinn darüber, daß er am 2. November und am 7. Dezember 1847 zwei Briefe an das Gemeindegericht von Käina, Pühalepa und Reigi aufgegeben hat, aber bisher keine Empfangsbestätigung erhalten habe. Der Postmeister von Haapsalu antwortete, daß die Briefe am 3. November und 8. Dezember bei ihm angekommen und noch am selben Tag dem Postkommissionär übergeben wurden.

Am 9. Dezember 1852 klagte der Direktor der Leuchttürme des Baltischen Meeres dem Gouverneur von Estland, daß der Leuchtturmwärter von Dagerort weder Briefe noch Geld pünktlich bekäme; früher erhielt er alles über das Gut in Kõrgessaare, jetzt würde alles in Haapsalu festgehalten. So hätte der Leuchtturmwärter das am 17. Juli abgeschickte Geld erst am 3. Oktober erhalten und das am 22. Oktober abgeschickte bis zur Beschwerde am 5. November überhaupt noch nicht. Dies alles berücksichtigend bittet der Direktor den Gouverneur um eine entsprechende Verfügung, damit das Geld und die Pakete unverzüglich weiterbefördert werden, weil sonst das Leuchtturmpersonal Not an Lebensmitteln erleiden würde. Den Inhalt dieses Briefes teilte das Postamt von Tallinn dem Postmeister in Haapsalu mit und verlangte eine Erklärung. Aus der Stellungnahme des Postmeisterstellvertreters Lukasevic geht hervor, daß die Korrespondenz und Benachrichtigungen sofort dem Kommissionär Linse ausgehändigt würden und diejenigen, die eine Vollmacht vorweisen, keine Hindernisse bei der Auszahlung hätten.